Kulturpreis 2021 & kult-IG Tag

 

Die „kult-IG“ Erftstadt organisierte ihre erste Open-Air-Veranstaltung

Eine gelungene Premiere

VON MARGRET KLOSE. Kölner Stadt-Anzeiger vom 23. August 2021

Erftstadt-Liblar. Die „kult-IG“ in Erftstadt ist ein Verbund von Jazzin’ Erftstadt, Köttinger Dorfladen, Kulturkreis Erftstadt, Künstlerforum Schau-Fenster, Musikverein Friesheim und Szene 93. Gemeinsam hatten sie diese erste Open-Air-Veranstaltung auf den Weg gebracht, die am Samstag viele Kulturfans zum Außengelände des Geske-Kulturhauses nach Liblar zog. Bunt und kreativ hatte das Künstlerforum „Schau-Fenster“ die auf Transparenten gedruckten Werke auf dem Außengelände ausgestellt.

„Es ist unser erstes gemeinsame Musikfest“, sagte Mitorganisator Philipp Wasmund am Nachmittag. Solch ein Fest diene der Vernetzung der Vereine untereinander, es stärke aber auch den Zusammenhalt und biete die Möglichkeit, dass sich alle Vereine individuell präsentieren könnten. „Die Vorbereitungen liefen gut sechs Monate“, berichtete Wasmund. Man habe jetzt einfach wieder aktiv werden wollen.

Das kam an: Kaum hatte Moderator Max Laumann den Musikverein Friesheim angekündigt hatte, ging es los. Riesig hatten sich die Musiker auf den ersten Bühnenauftritt in diesem Jahr gefreut. „Es tut einfach gut, endlich wieder vor Publikum spielen, die Stimmung direkt spüren und die Reaktionen unmittelbar wahrnehmen zu können“, sagte Vereinssprecherin Solveig Müller. Alle seien natürlich ein bisschen aufgeregt. Doch davon merkten die Zuschauerinnen und Zuschauer nichts. Locker dirigierte Martin Kirchhartz sein Blasorchester. Zu hören gab es bekannte Melodien aus Musicals wie etwa „Starlight Express“, aber auch unvergessene Schlager und Filmmusik, bevor Kirchhartz das Publikum mit auf eine „80er-Jahre-Kult-Tour“ nahm. „Viele von ihnen werden sich zurück in die Jugend versetzt fühlen“, prophezeite er und sollte recht behalten. Die kult-IG ist aber auch Jazz. Und Susanne Riemer und Wilhelm Geschwind bereicherten für Jazzin’ Erftstadt die Veranstaltung mit ihren warmen und rhythmischen Klängen.

Komplettiert wurde das Musik- und Kulturfest vom Verein Szene 93, der mit der Uraufführung „Banküberfall“ von Michael Schubert und einer Lesung der jungen Autoren Alina Renz, Carina Küffner und Florian Winters zur Unterhaltung des Publikums beitrug. Mit einer „Lesung und Kulinarik“ rundete der Verein Köttinger Dorfleben den unterhaltsamen Nachmittag ab, bevor die Kult-IG am Abend den mit 1000 Euro dotierten Kulturpreis verlieh.

DIE TRÄGER DES KULTURPREISES

Zuerst wollten es Dareen (15) und Madita (18) Friedrich gar nicht glauben, dass sie mit dem Kulturpreis geehrt werden sollten. „Das war eine Riesenüberraschung“, versicherte Dareen, und ihre Schwester Madita ergänzte: „Wir fühlen uns sehr geehrt“. Dass sie ihn verdient haben, das bestätigten ihnen das Publikum und Ida Görlitz in der Laudatio: „Ihr erhaltet den Kulturpreis für eure ganz außergewöhnliche Leistung, euren ganz besonderen Beitrag zur Kultur.“

Dareen spielt Tuba unter anderem im Jugendsinfonie-Orchester Köln. Ihr Talent, ihre Leidenschaft und Freude erfüllten, wie es hieß, die Stadt mit Kultur. Madita spielt Klarinette. Unter anderem im sinfonischen Kreisblasorchester habe sie ihr Talent schon unter Beweis stellen können, ebenso als Schauspielerin etwa in der Szene 93.

Für ihr Buch über das Leben der jüdischen Gemeinde in Erftstadt und ihren Einsatz für das Kulturhaus Erftstadt wurden zudem Cornelius und Heidi Bormann mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. „Kultur ist lebensnotwendig. Sie gibt uns einen Sinn, der über die Kleinigkeiten des Alltags hinausgeht“, sagte Cornelius Bormann. Und seine Frau fügte hinzu: „Wir haben viele Jahre versucht, uns für die Kultur in Erftstadt starkzumachen.“

Janina Horn-Tilke und Martin Tilke von Jazzin’ Erftstadt betonten, dass die jüdische Geschichte Erftstadts ohne die Bormanns heute vergessen wäre. Das Buch liegt nun in einer gekürzten Ausgabe der dritten Auflage des bereits 1992 veröffentlichten Werks vor, um auch jungen Menschen einen Anreiz zu geben, sich mit den jüdischen Traditionen und Bräuchen zu beschäftigen. Im Verein Kulturhaus haben die beiden Preisträger Erftstädter Künstler durch gemeinsame Aktionen und Ausstellungen auch in einem bereits 2011 erschienen Buch zusammengebracht. „Danke für alles, was ihr gemeinsam für die Menschen in Erftstadt geleistet habt“, sagte Horn-Tilke. (mkl)